
Ein Jahr voller Anschaffungen und beeindruckender Nachwuchsarbeit: Die Freiwillige Feuerwehr Hämelerwald präsentierte bei ihrer Jahreshauptversammlung am gestrigen Sonnabend, 24. Januar 2026, vor rund 100 Gästen in der Fahrzeughalle die Bilanz eines außergewöhnlichen Jahres 2025. Ortsbrandmeister Christian Mücke berichtete von 123 Einsätzen und investierte Stunden in Höhe von 25.074 – darunter beeindruckende 2.417 Stunden allein in der Kinderfeuerwehr, die mittlerweile 52 Mitglieder zählt.
Unter den Gästen begrüßte der Ortsbrandmeister unter anderem Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße, Ortsbürgermeister Dirk Werner und Mitglieder des Ortsrates sowie Michael Großmann, Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung. Aus der Feuerwehr waren der stellvertretende Brandschutzabschnittsleiter Tim Herrmann und Stadtbrandmeister Hendrik Voges anwesend. Die Ehrenortsbrandmeister Christian Roger Fechner und Heinz-Georg Montag waren ebenso gekommen wie Vertreter der Ortsfeuerwehren Immensen, Sievershausen und Kolshorn sowie des THW Lehrte. Aus dem benachbarten Landkreis Peine nahmen der Gemeindebrandmeister Hohenhameln sowie die Ortsbrandmeister aus Mehrum und Vöhrum teil. Besonders erwähnte Mücke eine Abordnung der befreundeten Wehr aus Landau in der Pfalz. Für die musikalische Umrahmung sorgte der Feuerwehrmusikzug Evern unter der Leitung von Uwe Werner.



Neue Drehleiter „Manfred“ nach Werksaufenthalt wieder einsatzbereit
Der erste große Neuzugang 2025 war eine neue Drehleiter DLK 23/12 von Rosenbauer auf MAN-Fahrgestell, die die bisherige, technisch überholte Drehleiter „Giovanni“ ersetzt. „Sie ist leistungsfähiger, durch das Knickgelenk haben wir bessere Rettungsmöglichkeiten und können bis zu 300 Kilogramm transportieren“, erklärte Mücke. Die neue Drehleiter „Manfred“ hatte allerdings einen holprigen Start: Bei der Einweisung im August wurden kleinere Mängel festgestellt, die zunächst als „Kinderkrankheiten“ galten. „Bei der Übergabe ging dann gar nichts mehr“, berichtete Zugführer Andreas Mücke. Das Fahrzeug musste für mehrere Monate zurück ins Werk. „Wenn man bedenkt, was es in der Anschaffung kostet, ist es bedenklich, was da für Mängel auftreten“, kritisierte er. Erst seit Freitag ist „Manfred“ wieder im Dienst. Bürgermeister Prüße zeigte sich erleichtert: „Ich freue mich, dass Manfred wieder da ist und hoffe, Sie können es gut nutzen.“
Im September folgte ein neuer Einsatzleitwagen (ELW 1) mit mehreren Funkarbeitsplätzen, Allradantrieb und Lichtmast. „Vorher hatten wir einen umgebauten T5, nun haben wir ein Wunderwerk der Technik“, so Andreas Mücke. Die Ausbildung sei sehr zeitintensiv gewesen. Weitere Anschaffungen waren eine Wärmebildkamera, ein neuer AED, ein mobiler Wasserwerfer sowie leichtere Bekleidung zur Vegetationsbrandbekämpfung.
Kommende Investitionen: HLF und MTW
Für die Zukunft sind weitere Fahrzeugbeschaffungen geplant: 2027 kommt ein Mannschaftstransportwagen (MTW) für rund 100.000 Euro, 2028 ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) für geschätzte 675.000 Euro. Auch beim Feuerwehrhaus gibt es Fortschritte: „Die Erweiterung geht in die finale Phase, der Bauantrag ist gestellt, die Zeichnungen sind fertig“, berichtete Mücke. An der Nordseite entstehen etwa 20 Meter Fahrzeughalle sowie daran anschließend eine Herrenumkleide für 80 Kameraden. Die derzeitige Herrenumkleide wird zur Damenumkleide.
123 Einsätze – von eCall-Rettung bis Kraftwerksbrand
Die Ortswehr rückte 2025 zu 123 Einsätzen aus: 75 technische Hilfeleistungen, 40 Brände, 45 Fehlalarme, zwei Alarmübungen und zwei Brandsicherheitswachen. Das Jahr startete am 6. Februar mit einem LKW-Brand im Gewerbegebiet Sievershausen. Am 24. Februar ging es nach Mehrum zu einem Trafobrand im Kraftwerk, bei dem die Drehleiter benötigt wurde. Am 19. März um 4:05 Uhr musste ein Fahrer aus einem Sattelzug befreit werden, der quer über alle Spuren der A2 lag.
Besonders ungewöhnlich war ein Einsatz am 13. Juli: „Das hat man vorher so nicht gehört“, berichtete Mücke. Eine Person stürzte und schlug auf dem Boden auf – die Apple Watch löste einen eCall aus. Die Rettung erfolgte über die Drehleiter. „Nicht nur auf dem Handy oder der Uhr, auch in Fahrzeugen – sowas erreicht uns immer wieder. Oftmals waren wir dann aber da und fanden dann niemanden mehr“, erklärte er. Am 21. Juli standen in Arpke eine Laube und ein Auto in Vollbrand.
Hinzu kamen ausgelöste Brandmeldeanlagen und Rauchwarnmelder, hilflose Personen hinter verschlossener Tür, leichte Pkw- und Lkw-Unfälle, Kleinbrände und viele First-Responder-Einsätze. Die First-Responder-Einheit wurde vor etwas mehr als 20 Jahren ins Leben gerufen und soll den Rettungsdienst bei lebensbedrohlichen Lagen wie Atemnot oder Herzstillstand unterstützen. „Wir haben mehrere ausgebildete Rettungssanitäter, Rettungsassistenten sowie einen Arzt und können lebensrettende Sofortmaßnahmen durchführen“, so Mücke.
Intensive Ausbildung mit 29 Lehrgängen
Die Einsatzabteilung leistete 8.333 Ausbildungsstunden. Neben klassischen Diensten und Stationsausbildung lag der Schwerpunkt auf den Basics bei der Brandbekämpfung. Viele Einsatzübungen erfolgten gemeinsam mit dem 4. Zug (Sievershausen und Arpke), darunter in einem Abrissobjekt. „Dafür sind wir immer dankbar, da können wir realitätsnäher vorgehen“, bedankte sich Andreas Mücke bei der Firma REWE, die eine Halle zur Verfügung stellte. Diese Übung war eine der ersten Aktionen der neuen Drehleiter.
Bei der technischen Hilfeleistung wurden Einsatzmöglichkeiten der Zugeinrichtung des HLF sowie patientengerechte Rettung aus Fahrzeugen geübt. Insgesamt wurden 29 Lehrgänge absolviert, darunter Zugführer 1, Gruppenführer 2, ABC Führen und ABC Einsatz. Stadtbrandmeister Hendrik Voges lobte die Digitalisierung: „Rescue Tablets auf allen Fahrzeugen liefern im Einsatz schnelle Informationen, weniger Zettelwirtschaft – das ist schon sehr viel wert.“



Kinderfeuerwehr mit Rekordmitgliederzahl
Die Kinderfeuerwehr verzeichnete ein spektakuläres Wachstum: Von 39 Kindern zu Jahresbeginn auf 52 Kinder zum Jahresende – bei 18 Eintritten, zwei Übergaben an die Jugendfeuerwehr und drei Austritten. „Da hat David alles richtig gemacht“, lobte Mücke den scheidenden Kinderfeuerwehrwart David Czeczerski, der nach 12 Jahren sein Amt an Christin Warnholz übergaben hatte. 29 Jungen und 23 Mädchen werden von neun Betreuern und einem Fachberater betreut.
Die Kinderfeuerwehr leistete insgesamt 2.417 Stunden, davon 1.492 Stunden alleine durch die Kinder. Neben Spaß und Spiel standen feuerwehrtechnische Ausbildung, Kreatives und Erste Hilfe auf dem Programm. Höhepunkte waren der Besuch der Atemschutzstrecke in der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Burgdorf, die Kinderfeuerwehrolympiade in Hämelerwald mit 134 Kindern plus Betreuern und Eltern sowie ein Ausflug in den Tierpark. 34 Kinder erhielten das Flämmchen-Abzeichen.
Bei der Verabschiedung von Czeczerski würdigte Warnholz seine Arbeit: „Eine Ära geht zu Ende. Du konntest viele Highlights erleben, Flämmchen im dreistelligen Bereich überreichen, diverse Spieleolympiaden organisieren, zwei davon in Hämelerwald, und eine Partnerschaft mit Mehrum gründen. Du übergibst uns eine starke Kinderfeuerwehr.“ Czeczerski wurde mit stehendem Applaus verabschiedet. Bürgermeister Prüße rechnete vor: „52 Kinder, jeder Betreuer macht mindestens drei Stunden noch zum normalem Dienst dazu – tolle Leistung, ein Riesenapplaus wert. Chapeau!“
Jugendfeuerwehr mit Leistungsspange
Die Jugendfeuerwehr zählt 39 Jugendliche, zwei wurden 2025 aufgenommen, beide aus der Kinderfeuerwehr, drei in die Einsatzabteilung übergeben. Acht Ausbilder, darunter drei Frauen, und zwei Anwärter kümmern sich um die Nachwuchsarbeit. Jugendwart Martin Schlusche berichtete von 180 Stunden feuerwehrtechnischer Ausbildung und 40 Stunden allgemeiner Jugendarbeit.
Höhepunkte waren die Übung der Stadtjugendfeuerwehren im April, das Stadtzeltlager in Arpke im Juni mit Spieleolympiade sowie die Leistungsspangenabnahme in Hannover am 21. September – drei Jugendliche aus Hämelerwald haben die höchste Auszeichnung in der Jugendfeuerwehr bestanden. Der Förderverein spendierte neue T-Shirts im Wert von 1.200 Euro. „Die Jugend ist nun bestens ausgestattet, das zeigt, dass sie Teil unserer Feuerwehr sind“, freute sich Schlusche. Im Oktober folgte eine Fahrradrallye in Immensen, im November die Teilnahme am Laternenumzug. 16 Kinder bestanden erfolgreich die Jugendflamme Stufe 1 und 2.
Förderverein wächst um 32 Prozent
Der Förderverein verzeichnete 36 neue Mitglieder – eine Steigerung um 32 Prozent auf nun 148 Mitglieder. Vorsitzender Richard Scharlemann berichtete, dass die Kinderfeuerwehr mit 1.000 Euro, die Jugendfeuerwehr mit 1.200 Euro für T-Shirts sowie mit weiteren 1.200 Euro für Stadtzeltlager, Ori-Marsch, Rallye und Jahresabschluss unterstützt wurden. Die Einsatzabteilung erhielt 2.500 Euro. Für 2026 wurden bereits 22.200 Euro bewilligt.
Investitionen der Stadt in Sicherheit
Bürgermeister Prüße betonte die Bedeutung der Investitionen: „Wir als Stadt sorgen dafür, dass die Feuerwehren gut ausgestattet sind.“ Die leichte Einsatzkleidung für warme Tage sei „unglaublich wichtig“ und gesundheitsrelevant. „Wenn Sie da stehen bei 30 Grad in der Hitze, das ist gesundheitsgefährdend. Vor drei Jahren haben wir entschieden, wir brauchen das. Das lassen wir uns auch gerne 350.000 Euro kosten.“
Der Bürgermeister gab einen Ausblick auf die umfangreiche Bauagenda der Stadt: Zwei Schulzentren (IGS und Gymnasium) für je 100 Millionen Euro, drei Grundschulen in Planung (Ahlten und Immensen fast fertig, Arpke folgt), Modernisierung des Bauhofs, Schwimmbad sowie neue Feuerwehrhäuser in Steinwedel, Sievershausen, Arpke, Immensen, Ahlten und Kolshorn. „Ein riesiges Investitionsvolumen liegt vor uns. Was schnell geht, wird auch erledigt.“
Ortsbürgermeister Dirk Werner dankte für den ehrenamtlichen Einsatz: „Ihr opfert viele Stunden eurer Freizeit, das ist nicht selbstverständlich. Wir als Ortsrat sind stolz auf unsere Feuerwehr Hämelerwald.“ Er verurteilte Gewalt gegen Einsatzkräfte aufs Schärfste und versicherte: „Wir stehen zu 100 Prozent hinter unserer Ortsfeuerwehr.“
Besondere Ehrung für 75 Jahre Mitgliedschaft
Eine besonders seltene Ehrung wurde in Abwesenheit bekannt gegeben: Erwin Müller ist seit 75 Jahren in der Feuerwehr. Dieses wird mit dem Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbands gewürdigt. Das Feuerwehrehrenzeichen des Landes für 50-jährige aktive Mitgliedschaft erhielten Harald Schwenke und Matthias Tolkemit, für 40 Jahre Stefan Rohrig. Dennis Plaatje und Stefanie Czeczerski wurden für 25-jährige aktive Mitgliedschaft geehrt.
Die silberne Ehrennadel der Ortsfeuerwehr erhielten Jörg Campen und Bernd Wredemeyer, die goldene Ehrennadel Christian Roger Fechner. Natalie Neumann wurde für zehnjährige aktive Mitgliedschaft von der Stadt Lehrte geehrt. Weitere Einsatzkräfte erhielten die Hochwasserehrennadel 2023 für ihren Einsatz beim Hochwasser zum Jahreswechsel 2023/2024.
Eine besondere Ehrung erhielt Christian Roger Fechner vom Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz: Michael Bumb überreichte ihm die Ehrennadel in Silber. „Es ist nicht so oft, dass außerhalb des Bundeslandes geehrt wird“, betonte Bumb und würdigte damit die hervorragenden Dienste Fechners.
Neue Einsatzkräfte und Beförderungen
Fünf neue Einsatzkräfte wurden in die Einsatzabteilung übernommen: Fynn Laqua, Kimberly Hesse, Domenik Buder und Gianluca Rinow aus der Jugendfeuerwehr sowie Michael Kratzke als Quereinsteiger.
Zum Feuerwehrmann ernannt wurden Hendrik Burkart, Ryan Alexander Hartmann und Leon Pohln. Florian Peter Janich und Tobias Pohl erhielten den Dienstgrad Oberfeuerwehrmann. Stefanie Czeczerski wurde zur Ersten Hauptfeuerwehrfrau ernannt. Löschmeister dürfen sich nun Natalie Neumann und Niels Sörenhagen nennen. Jan Reinhold wurde zum Oberlöschmeister und Lukas Rosemann zum Hauptlöschmeister ernannt. Ortsbrandmeister Christian Mücke wurde der Dienstgrad Hauptbrandmeister verliehen.
Zum Abschluss würdigte Pastorin Sandra Rohland den Dienst der Feuerwehr: „Feuerwehr ist ja kein Hobby, das ist ein Versprechen: Wenn’s brennt, dann bin ich da. Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr. Danke für eure Dienste, eure Bereitschaft, eure Zeit und eure Nerven – und dass eigene Familienpläne hinten anstehen, wenn der Melder geht. Was ihr tut, ist mehr als Technik und Taktik, das ist gelebte Nächstenliebe.“































