
Es ist wieder so weit: Der Frieden im beschaulichen Sievershausen wird offiziell für einen Tag ausgesetzt. Am Himmelfahrtstag, 14. Mai 2026, verwandelt sich der Sportplatz am Schmiedeweg in eine Arena epischen Ausmaßes, wenn Norddorf und Süddorf zur alljährlichen Dorffehde antreten.
Was einst als freundschaftlicher Wettstreit gedacht war, hat sich längst zu einer hoch emotionalen Auseinandersetzung entwickelt – inklusive jahrzehntealter „Wir sind die bessere Dorfhälfte“-Diskussionen, fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen und strategisch platzierter Biertische für die jeweiligen Dorfhälften.
Scharenweise ziehen sie gegen 10 Uhr zum Sportplatz, wo traditionell Pastor Thorsten Leißer bei einem erfrischenden Freiluftgottesdienst im 16-Meter-Raum des Sportplatzes noch mal versuchen wird, den tiefen Graben zwischen den Dorfhälften zuzuschütten. Da hier aber schon der erste Punkt des Tages für die Dorfhälfte mit den meisten Gottesdienstteilnehmern vergeben wird, werden seine Bemühungen, ebenfalls traditionell, im Sande verlaufen. Denn schließlich lautete das Motto: „Dabei sein ist alles – aber Gewinnen ist besser.“
Ab 11 Uhr marschieren die beiden Dorffraktionen zum Fußballspielen – begleitet von lautstarken Fans und improvisierten Schlachtrufen. Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Senioren spielen ab 11 Uhr Fußball bzw. Gehfußball (Senioren) gegeneinander. Auch Nichtfußballer sind hierzu willkommen.
„Wir haben monatelang trainiert – sogar beim Grillen liefern wir die knusprigsten Bratwürste“, erklärt Meike Brünker, Sprecherin des Norddorfes, selbstbewusst. Denn sogar in der Grillbude tragen die Helfer aus dem Norddorf und dem Süddorf rote oder blaue Schürzen. Ohnehin dominieren an diesem Tag auf dem ganzen Sportplatz die roten und blauen Farben. „Rot“ steht für das Norddorf und „blau“ für das Süddorf. Jörg Schwieger, Sprecher des Süddorfs, kontert die großspurige Grillankündigung aus dem Norden: „Wir brauchen kein Training. Wir haben Erfahrung, bessere Rezepte und die elegantesten Bratwurstdreher.“
Für das leibliche Wohl wird in Rot und Blau selbstverständlich auch mit kühlen Getränken, Pommes und leckeren Kuchen gesorgt.
Nachdem die Fußballspiele abgepfiffen wurden, ist es endlich soweit. Beim lustigen „Spiel ohne Grenzen“ stehen sich Kinder und Erwachsene bei einer Reihe von abwechslungsreichen und insbesondere humorvollen Disziplinen gegenüber. Neben Geschicklichkeit, Teamgeist und Kreativität steht vor allem der Spaß im Vordergrund, wenn es gilt, die überraschenden Herausforderungen zu bewältigen. Denn dass die Spiele für herzhaftes Lachen und ein strapaziertes Zwerchfell sorgen, das weiß inzwischen jeder Besucher der Dorffehde.
Da die Dorffehde ein Fest für die ganze Familie ist, werden auch ein Spielmobil und eine Hüpfburg die Kleinsten in Bewegung halten. Nicht fehlen darf der Clown Tobini mit seiner tollen Nachmittagsshow.
Die Veranstalter bitten alle Besucher, ihre Parteizugehörigkeit klar zu zeigen – durch Farben, Fahnen oder lautstarkes Kommentieren vom Spielfeldrand. Neutralität wird zwar toleriert, aber nicht verstanden.
Der Eintritt ist frei, die Stimmung unbezahlbar. Zuschauer jeden Alters sind herzlich eingeladen, dieses einzigartige Spektakel live mitzuerleben und Teil der vielleicht wichtigsten Frage des Tages zu werden: Norddorf oder Süddorf – wer hat diesmal das letzte Wort? Und diese Frage wird gegen 17 Uhr beantwortet sein: Dann wird der Bürgermeister aus dem Norden oder aus dem Süden die Ehrentafel unter dem Jubel seiner Dorfbewohner aus den Händen des Sievershäuser Ortsbürgermeisters Armin Hapke in die Höhe recken. Das Süddorf ist in diesem Jahr besonders motiviert und möchte den knappen Rückstand von 9 zu 10 Siegen wettmachen.
Nach geschlagener Fehde findet anschließend die Aussöhnung in der „Dritten Halbzeit“ mit der Gewissheit statt, dass die Harmonie spätestens vorbei sein wird, wenn Himmelfahrt 2027 naht.
Für Rückfragen stehen die jeweiligen Dorfhälftensprecher, Thekenkräfte oder einfach irgendjemand mit einem roten oder blauen T-Shirt zur Verfügung.
