
Rund 200 Besucher – Erwachsene und Kinder – standen am gestrigen Donnerstagabend auf dem Gelände der Feuerwehr Lehrte und verfolgten gespannt, wie Einsatzkräfte einen schweren Verkehrsunfall abarbeiteten. Die Showübung, die im Rahmen des 150-jährigen Jubiläums der Wehr stattfand, machte eines unmissverständlich klar: Wenn Leben von der Schnelligkeit einer technischen Rettung abhängen, zählt jede Sekunde.
Die angenommene Lage war bewusst anspruchsvoll gewählt: Ein PKW eingeklemmt unter einem LKW, zudem ein zweites beschädigtes Fahrzeug. Ausgearbeitet hatte das Szenario Zugführer Jens Kophstahl. Die Moderation übernahm Olaf Kirchner, der die Zuschauer von Anfang an mitnahm – genau wie im echten Einsatz: mit Notruf, Abfrage durch den Leitstellen-Disponenten, und einem Rettungswagen und dem ersten Löschfahrzeug, die kurz darauf an der Einsatzstelle ankamen.
„Dieses kann jederzeit passieren“, betonte Kirchner. Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Personen seien für die Lehrter Feuerwehr zwar nicht alltäglich – auf der Autobahn aber immer wieder bittere Realität. Als nächstes rollte das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug mit neun Einsatzkräften vor. Was folgte, war kein choreographiertes Schauspiel, sondern echter Handwerksalltag unter Beobachtung: Nicht nur das notwendige Gerät wurde bereitgelegt, sondern die gesamte Bandbreite dessen, was bei einem solchen Einsatz gebraucht werden könnte. Patienten wurden betreut, Brandschutz sichergestellt. „Es passieren viele Dinge zur selben Zeit“, erklärte Kirchner dem Publikum.
Ehe die Kräfte sich um den Fahrer des unter dem LKW eingeklemmten Fahrzeugs kümmern konnten, musste dieses zunächst mit einer Seilwinde herausgezogen werden. Dann zeigte sich, was diese Übung echter machte als geplant: Das Öffnen der Fahrertür erwies sich als deutlich schwieriger als erwartet – der Spreizer musste mehrfach angesetzt werden. Dass Rettung zeitaufwändig sein kann und Sekunden sich wie Minuten anfühlen, war in diesem Moment für alle Zuschauer unmittelbar spürbar.
Gleichzeitig rückten Einsatzleitwagen und ein zweites Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug an, um dem Fahrer des zweiten Fahrzeugs zu helfen. Da beide Fahrzeuge mit hydraulischem Rettungsgerät ausgestattet sind, konnte an beiden Unfallfahrzeugen parallel gearbeitet werden – in der Praxis bereits häufig so gelebt.
Nachdem die Tür geöffnet war, kletterte ein sogenannter Innerer Retter vom Rettungsdienst in das Fahrzeug, um den Patienten zu betreuen. Das Ziel: Innerhalb einer Stunde soll ein Verletzter im Krankenhaus sein – eine Faustregel, die die Überlebenschancen deutlich verbessert. Nach 35 Minuten waren beide Patienten aus den Fahrzeugen befreit und an den Rettungsdienst übergeben. Das Publikum quittierte die Darbietung mit Applaus.
Doch die Einsatzkräfte sind bei einem realen Einsatz dann noch nicht fertig: Batterie-Management – das Stromlosschalten des verunfallten Fahrzeugs –, das Aufnehmen auslaufender Betriebsstoffe und schließlich der vollständige Rückbau schließen sich normalerweise noch an.
Einen besonderen Dank richtete Kirchner an den Förderverein der Ortsfeuerwehr Lehrte: Ohne ihn wäre diese Art der Ausbildung kaum möglich. Ein Schrottauto kostet bereits rund 150 Euro. Das Engagement der fördernden Mitglieder sorgt dafür, dass die Einsatzkräfte nicht nur im Theorieunterricht lernen – sondern an echtem Gerät, unter echten Bedingungen.

































































