
Die Freiwillige Feuerwehr Röddensen kann auf ein ungewöhnliches Jahr zurückblicken: Erstmals in der Geschichte der Ortswehr gab es 2025 keinen einzigen Brandeinsatz. Bei der Jahreshauptversammlung am gestrigen Freitag, 23. Januar 2026, vor rund 55 Gästen präsentierte Ortsbrandmeister Martin Voß die Bilanz eines besonderen Jahres.
Unter den Gästen begrüßte Voß unter anderem Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße, Ortsbürgermeister Frank Seger, aus Ortsrat und Stadtrat Martin Schiweck sowie Michael Großmann, Leiter des Fachdienstes Sicherheit und Ordnung. Aus der Feuerwehr waren der stellvertretende Brandschutzabschnittsleiter Tim Herrmann, Stadtbrandmeister Hendrik Voges und sein Stellvertreter Jens Dannenbring anwesend. Vertreter der Ortsfeuerwehren aus Immensen, Steinwedel, Sievershausen, Lehrte, Kolshorn und Burgdorf waren ebenso gekommen wie erstmals Vertreter des THW Lehrte. Auch der Schützenverein Röddensen, die Jagdgenossenschaft, der Realverband und Hans-Heinrich Götting von der Firma Götting nahmen teil.


Einsatzbilanz: Tierrettungen dominieren
Insgesamt rückte die Ortswehr im vergangenen Jahr zu 21 Einsätzen aus – darunter 15 technische Hilfeleistungen und Tierrettungen, vier Brandsicherheitswachen sowie zwei Fehlalarme. „Null Brandeinsätze, das ist ungewöhnlich und eigentlich nie der Fall gewesen“, so Voß. Die hohe Zahl an Tierrettungseinsätzen sei im Durchschnitt, habe jedoch in der zweiten Jahreshälfte merklich nachgelassen. Grund sei vermutlich die Anpassung der Gebührenordnung gewesen, wodurch Tierrettungen teurer geworden seien. „Das ist nicht verwerflich, das begrüße ich sogar“, erklärte der Ortsbrandmeister. Viele dieser Fahrten seien wie „Taxifahrten zur Tierärztlichen Hochschule“ gewesen. Den Transport müsse nicht von der Feuerwehr durchgeführt werden.
Dennoch betonte Voß, dass viele Tierrettungen ebenso zur Gefahrenabwehr gehörten: Ein Schwan auf der Autobahn, ein ausgebüxter Hütehund im Straßenraum oder ein durchnässter, hilfloser Storch im Teich seien berechtigte Einsätze. „Wir machen das gerne, wir können das“, so Voß. Auch automatische Notrufe von Handys, die vom Dach gefallen sind, würden die Feuerwehr künftig vermutlich häufiger beschäftigen – diese könnten Leben retten, wenn sich eine Person nicht mehr bemerkbar machen könne.
Ausbildung und Übungsdienste auf hohem Niveau
Trotz der fehlenden Brandeinsätze bereitet sich die Ortswehr intensiv auf den Ernstfall vor. Gemeinsam mit der Ortsfeuerwehr Kolshorn, mit der der 7. Zug der Stadtfeuerwehr gebildet wird, wurden Atemschutznotfälle geübt und der Tausch von Atemluftflaschen im Dunklen trainiert. Ein weiterer Zugdienst widmete sich dem neuen Akku-Rettungssatz, für den die Firma Jordan ein Schriottfahrzeug zur Verfügung stellte. „Ich war überrascht, wie stark das Gerät ist. Eine Rettung aus einem Pkw konnte durchgeführt werden, tolle Technik“, berichtete Voß.
Weitere Übungsdienste umfassten den sicheren Umgang mit Rindern, Leitertraining sowie Strahlrohrtraining. „Das muss man blind bedienen können“, betonte der Ortsbrandmeister. Auch die Kraftfahrerausbildung stand auf dem Programm. Lars Thiele, stellvertretender Zugführer und Ausbildungsbeauftragter, lobte die sehr gute Beteiligung bei den Zugdiensten. Im vergangenen Jahr wurden fünf Lehrgänge absolviert. „Danke an die Stadtfeuerwehr bei der Ausbildung, was an Möglichkeiten geboten wird, ist der Wahnsinn“, so Thiele.
Mehr als nur Feuerwehr: Verankerung im Dorfleben
Die Feuerwehr Röddensen ist fest im Dorfleben verankert. „Wir sind in Röddensen eine ‚Feuer-und-viel-mehr-Wehr'“, erklärte Voß. Die Ortswehr beteiligte sich an der Dorfreinigung, unterstützte das Osterfeuer und war bei einer neuen Tradition am 30. April dabei: dem Milchbankfest in der Dorfstraße. Im Sommer nahmen die Kameradinnen und Kameraden an den Stadtwettkämpfen in Kolshorn teil, organisierten einen Feuerwehrdienst für Kinder im Dorf und nahmen am Inselpokal auf Poel teil. Weitere Aktivitäten waren der Laternenumzug in Röddensen, der Weihnachtsmarkt in Aligse, der Volkstrauertag und zwei Themenabende. Besonders selten: „Zwei Hochzeiten in einem Jahr“, freute sich Voß.
Personelle Entwicklung und Ehrungen
Die Ortsfeuerwehr Röddensen zählt aktuell 30 Aktive – 24 Männer und 6 Frauen. Hinzu kommen sieben Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung sowie ein Fachberater. Mit passiven Mitgliedern und Förderern kommt die Ortswehr auf insgesamt 75 Mitglieder. Lina Peter wurde von der Jugendfeuerwehr Kolshorn in die Einsatzabteilung aufgenommen.
In die Alters- und Ehrenabteilung wechselten Helmut Hartmann, seit 11. Mai 1975 Mitglied der Einsatzabteilung, und Bernd Warnke, seit 3. Juni 1984 dabei. „Da bin ich stolz drauf, das ist auch ein bisschen Röddensen, diese Kontinuität“, sagte Voß. Mit 67 Jahren erreichten beide die gesetzliche Altersgrenze.



Helmut Hartmann erhielt für 50 Jahre Mitgliedschaft das Feuerwehrehrenzeichen des Landesfeuerwehrverbands. Andreas Witzel wurde mit der Ehrennadel der Feuerwehr-Unfallkasse Niedersachsen in Silber ausgezeichnet. Zudem gab es Urkunden der Hochwasserehrennadel für das Winterhochwasser 2023/2024.
Tjark Hagen Kirsche wurde zum Feuerwehrmann ernannt, Kilian Meyer erhielt den Dienstgrad Löschmeister.
Carsten Thiemann zum Ehrenortsbrandmeister ernannt
Ein besonderer Moment war die Ernennung von Carsten Thiemann zum Ehrenortsbrandmeister. Thiemann hatte sich 2024 nach 22 Jahren im Amt als Ortsbrandmeister verabschiedet – eigentlich wollte er bereits 2020 nach 18 Jahren aufhören. Die Abstimmung der Aktiven Mitglieder brachte ein klares Votum: Es wurde ohne Gegenstimmen so beschlossen. „Danke für die Ehre, die mir zuteil wird, das freut mich sehr“, sagte Thiemann. Er erinnerte daran, dass bereits 2003 im Investitionsantrag – in seinem zweiten Amtsjahr – zum ersten Mal ein neues Feuerwehrhaus für Röddensen stand.
Neue Ausrüstung und Führung
Die Ortswehr erhielt 2025 neue Einsatzkleidung. „Das ist gut investiertes Geld, leichte Feuerschutzkleidung, das ist auch nicht selbstverständlich“, dankte Voß Politik und Verwaltung. Bürgermeister Frank Prüße bezifferte die Investition auf 320.000 Euro für die Gesamtstadt: „Das ist wirklich gut angelegtes Geld, auch für die Gesundheit wichtig.“ Neu angeschafft wurden zudem Rescue Tablets und ein Akku-Rettungssatz.
Nachdem Martin Voß 2024 das Amt des Ortsbrandmeisters übernommen hatte, wurde im vergangenen Jahr Kilian Meyer zum stellvertretenden Ortsbrandmeister ernannt.
Fortschritte beim geplanten Feuerwehrhaus
Das seit Jahren geplante neue Feuerwehrhaus nimmt konkrete Formen an. Hans-Heinrich Götting von der Firma Götting berichtete, dass ein Bauunternehmen bereits im März mit den Arbeiten beginnen könnte. Das Gebäude soll auf einem Grundstück der Firma am Ortsausgang Richtung Kolshorn entstehen. Götting zeigte sich zuversichtlich: „Wir liegen im Plan mit den Kosten.“ Spätestens ende 2026 soll das Gebäude fertig sein, nach seinen Angaben könnte dieses aber auch noch beschleunigt werden (hier unser ausführlicher Bericht)
Große Wertschätzung von Politik und Verwaltung
Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße würdigte das außergewöhnliche Engagement: „Von 240 Einwohnern sind in Röddensen 30 Aktive, jeder Achte ist hier in der Wehr. Das Engagement hier im Dorf ist unglaublich.“ Übertragen auf die Lehrter Kernstadt wären das 3.000 bis 4.000 Aktive. „Es sind nicht die Feuerwehrhäuser, die Fahrzeuge oder Gerätschaften. Es sind die Menschen, wenn andere rausrennen, geht ihr rein, wenn sie zu Bett gehen, steht ihr auf“, so Prüße.
Ortsbürgermeister Frank Seger sprach im Namen des Ortsrates seinen Dank aus: „Die Ortsfeuerwehr Röddensen leistet Arbeit, die nicht bezahlt wird, Arbeit, die nicht bezahlt werden kann. Ihr Einsatz ist unbezahlbar.“ Stadtbrandmeister Hendrik Voges lobte die Tierrettungseinsätze: „Das ist auch nichts für schwache Nerven. Technisch anspruchsvoll, emotionaler Druck – dazu braucht man Empathie und professionelle Ruhe.“













