Die überraschende Schließung der ärztlichen Bereitschaftspraxis in Lehrte durch die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) sorgt weiter für politische Diskussionen. In einem Pressestatement äußert sich die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch „schwer enttäuscht und erschüttert“ darüber, wie mit den Menschen vor Ort und mit der Verantwortung gewählter Mandatsträger umgegangen werde.
Hanisch verweist darauf, dass bereits der Prozess rund um die Schließung des Lehrter Krankenhauses von mangelnder Verlässlichkeit in der Kommunikation geprägt gewesen sei und sich dieses Muster nun bei der Bereitschaftspraxis wiederhole. Besonders schwer wiegt für sie, dass sie sich nach eigenen Angaben im Frühjahr schriftlich habe bestätigen lassen, die Bereitschaftspraxis bleibe bis zur Eröffnung des regionalen Gesundheitszentrums (RGZ) erhalten. „Ich erwarte mehr Respekt gegenüber dem Informations- und Orientierungsbedürfnis und letztlich den realen Bedarfen der Bürgerinnen und Bürger“, betont die Abgeordnete. Aussagen zu treffen, die dann keinen nachhaltigen Bestand hätten, entspreche nicht ihrem Verständnis von verantwortungsvoller Kommunikation.
Die Schließung des Krankenhausstandortes Lehrte habe die Stadt bereits hart getroffen. Nach Ansicht von Hanisch zeigt der nun erfolgte Schritt der KVN, die Bereitschaftspraxis zum 30. November 2025 aufzugeben, eine mangelnde Anerkennung der besonderen Belastung für die Lehrter Bevölkerung, die umliegenden Orte und die Beschäftigten. Im Rahmen ihres Mandats verstehe sie sich als Anwältin der Menschen im Wahlkreis und in Niedersachsen. Sie verweist dabei auf eigene Initiativen etwa zur Beteiligung der Anwohner an Windkraftanlagen, auf Entbürokratisierungen im Baurecht oder auf ihr Engagement beim Tempolimit von 30 km/h in Immensen. Grundsätzlich gelte für ihre Arbeit, dass sie nur das veröffentliche, „was auch umgesetzt wird“.
Zugleich macht Hanisch deutlich, dass die Möglichkeiten der Landespolitik in Fragen der medizinischen Versorgung begrenzt seien. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen würden maßgeblich auf Bundesebene gesetzt, zudem agierten das Klinikum der Region Hannover (KRH) und die Kassenärztliche Vereinigung unabhängig. Gleichwohl habe sie nach eigenen Angaben in mehreren Gesprächen mit dem niedersächsischen Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi die Bedeutung der Lehrter Bereitschaftspraxis unterstrichen. Auf dieser Grundlage habe sie Anfang Februar 2025 eine schriftliche Zusicherung erhalten, dass die Praxis bis zur Inbetriebnahme des RGZ weitergeführt werde.
Dass die KVN Ende Oktober eine entgegenstehende Entscheidung getroffen habe, wertet Hanisch als Bruch dieser Verbindlichkeit. Sie sieht dadurch nicht nur das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger, sondern auch die Arbeitsgrundlage der Politik beschädigt. In solchen Momenten stelle sich die Frage, wie politisch Verantwortliche ihrer Rolle gerecht werden sollen und wie Vertrauen in Politik und Demokratie erhalten werden könne. Die Menschen in Lehrte und Umgebung hätten etwas anderes verdient, so ihr Fazit.
Bereits Ende Oktober hatte die CDU-Regionsfraktion Hannover die Schließung der Bereitschaftspraxis kritisiert und von einem „weiteren Schlag ins Gesicht der Bürgerinnen und Bürger in Lehrte“ gesprochen. Fraktionschef Bernward Schlossarek verwies damals darauf, dass die Entscheidung der KVN, Bereitschaftspraxen nur noch an aktiven Krankenhausstandorten zu betreiben, die enge Verknüpfung von stationärer und ambulanter Versorgung zeige. Nach der bereits vollzogenen Schließung des Lehrter Krankenhauses sieht die CDU in der Aufgabe der Bereitschaftspraxis eine weitere Verschlechterung der wohnortnahen medizinischen Versorgung im Osten der Region Hannover und fordert, alle Möglichkeiten zu prüfen, um eine medizinische Anlaufstelle in Lehrte für Notfälle außerhalb der üblichen Öffnungszeiten zu erhalten oder neu zu schaffen.
